Jörg Teuchert - Superbike IDM

Laudatio Peter-Paul Pietsch

WM Meisterfeier 2000 bei Fa.Dauphin Offenhausen

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Laudatio von Peter-Paul Pietsch (Verlagsleiter der Motor Presse Stuttgart) zum WM-Empfang bei Dauphin am 3.11.2000    Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Motorradsportfreunde, 

In den meisten Fällen beginnt eine Laudatio mit der persönlichen Begrüßung der wichtigsten Gäste. Das will ich heute nicht tun, denn wenn ich in die Runde schaue, wäre damit meine Redezeit wohl bereits überzogen.

Zum zweiten beginnen die meisten Reden mit der Feststellung, dass der Redner sich ganz besonders freut, gerade heute und hier zu sprechen. Das will ich heute sehr wohl auch tun und ich kann Ihnen versichern, es ist keine Floskel.

 Lassen Sie mich mit einem Rückblick beginnen. Genau gesagt in das Jahr 1986. Vater Arnulf Teuchert, nach neun Deutschen Meistertiteln im Gelände, widmete sich am Ende seiner sportlichen Karriere dem festen Untergrund, vulgo: dem Asphalt der Rennstrecken. Das sollte Folgen haben. Bei den traditionellen 1000 Kilometern von Hockenheim am Ostersamstag turnte um das Teuchert´sche Wohnmobil ein schlaksiger Kerl auf dem Fahrrad zirkusreif mal auf dem Hinterrad, mal auf dem Vorderrad und drehte fröhlich grinsend Pirouetten.„Wer ist das denn?“, fragte also ein Journalist 1986, und Vater Teuchert antwortete: „Das ist mein Junior. Glaub´ mir, der wird mal gut!“ Der „Junior“ hieß Jörg, war gerade 16 Jahre alt geworden, und hatte schon erste Lorbeeren gesammelt. Wo wohl? – logischerweise im Geländesport. Wahrscheinlich genetisch bedingt, hatte Junior Jörg bereits gegen Ende der Schnullerphase bewiesen, dass eine umgebaute Kreidler im Gelände besser taugt, als ein Dreirad mit Pedalantrieb. Damals war er vier Jahre alt und zeitgenössische Schmalfilm-Aufnahmen aus dem Familienbesitz zeugen von einer damals schon erstaunlichen Stand- und Driftfestigkeit mit dem Eigenbau, sogar auf den zugefrorenen Seen in der fränkischen Heimat. Sollte Benzin im Blut auf der Dopingliste stehen, so wäre Jörg Teuchert wohl damals schon positiv getestet worden. Positiv waren auf jeden Fall die Ergebnisse seiner motorsportlichen Entwicklung, gefördert ohne väterlichen Druck, aber stets mit dessen Unterstützung und der elterlichen Betreuung an der Rennstrecke. Ein unverzichtbarer Bestandteil waren die selbstgebackenen Kuchen von Mutter Anita, die inzwischen in den Fahrerlagern der Rennsportwelt schon legendären Ruf genießen. Ein Streifzug durch die Karriere Jörg Teucherts im Zeitraffer ergibt folgende Resultate: Parallel zur Lehre zum Zweiradmechaniker folgte das motorsportliche Gesellenstück: Enduro-Pokalsieger 1989, seinerzeit schon auf Yamaha; anschließend die Teilnahme an den Enduro-Six-Days 1991, die beinahe mit einem Weltmeistertitel bei den Junioren geendet hätte, wäre da nicht ein Schlüsselbein – in Fachkreisen „Spurstange“ genannt - kurz vor Ende der Veranstaltung in die Brüche gegangen. Das Schlüsselbein sollte später noch einmal eine Schlüsselrolle spielen. 1993, inzwischen zum übrigens jüngsten Zweiradmechaniker-Meister Bayerns avanciert, absolvierte Jörg Teuchert einige Gastspiele im ADAC-Junior-Cup und in der Rallye-Szene. Doch der Spaß ging erst so richtig los, als der Rookie die Saison 1994 im traditionsreichen Yamaha-Cup punktgleich mit dem Sieger Johann Pröls auf Platz zwei beendete. Damit war er – statistisch betrachtet – in guter Gesellschaft: Ex-Grand Prix-Fahrer und Superbike-Meister Jochen Schmid war 1984 ebenfalls Zweiter, Jörg Teucherts heutiger Teamchef Udo Mark war es 1986 und Ex-Weltmeister Dirk Raudies, der heute ebenfalls gern dabei gewesen wäre, aber bereits seinen Urlaub gebucht hatte, im Jahr 1987.  Diese harte Cup-Schule war der Beginn der Straßenkarriere. Es folgten zwei Jahre Lehrzeit in der deutschen Supersport-Meisterschaft, einer der härtesten nationalen Serien. Das Ergebnis, sozusagen die sportliche Meisterprüfung, waren zwei deutsche Supersport-Meistertitel 1997 und 1998, und im gleichen Jahr ein fünfter Platz als Wildcard-Fahrer am Nürburgring bei der damals noch als World Series ausgetragenen heutigen Supersport-Weltmeisterschaft.  Besonders erwähnenswert als Beleg für Jörg Teucherts Kampfgeist scheint mir sein Unfall 1997 im luxemburgischen Colmar-Berg. Er mußte sich vier Wochen aus der Schnabeltasse ernähren, weil sein gebrochener Unterkiefer verdrahtet worden war, und gewann anschließend dennoch den Meistertitel. Diese Teuchert´sche Tugend wird übrigens ab dem nächsten Jahr sein Helmdesign zieren: Ein Storch, der einen Frosch verschlingen will. Doch der Frosch würgt den Storch so lange, bis er die Beute loslässt: „Gib nie auf!´“, so lautet die Botschaft. Bereits 1996 kreuzten sich die Wege von drei Personen, die zu dem heute oft zitierten „Dream Team“ zusammengewachsen sind. Jörg Teucherts heutiger Teamkollege und Freund Christian Kellner, 1996 Deutscher 125er Meister, war das Jahr darauf in der Supersport-Meisterschaft dessen hartnäckiger Gegner. Und der heutige Teamchef Udo Mark, damals selbst noch erfolgreicher Superbiker. Man sah sich, man kannte sich, man sprach miteinander. Der eine fränkisch, der andere bayrisch, der dritte schwarzwälderisch.Drei Landsmannschaften, ein Team – was haben sie gemeinsam? Eine nicht ganz repräsentative Umfrage ergab folgende Charakterisierung der Franken, Bayern und Schwarzwälder: Allen Dreien sagt man nach: Sie seien 1.)   heimatverbunden,2.)   zielstrebig3.)   hart im Nehmen4.)   ehrgeizig5.)   haben Ausdauer6.)   lassen sich nicht unterkriegen7.)   und sie heben nicht ab, wenn sie Erfolg haben Das war die pragmatische Basis für jenes Team, das 1999 auszog, sich in der Weltmeisterschaft zu etablieren, die bislang von Italienern, Franzosen, Engländern oder Spaniern dominiert wurde.Schnell hatte sich das Team Respekt verschafft: Ein „Dream Team“ war geboren. Yamaha Deutschland war auf den Rennstrecken dieser Welt erfolgreich vertreten. Das erste Jahr in der Top-Liga war sozusagen voll im Soll: Jörg Teuchert wurde WM-Vierter, Christian Kellner WM-Sechster. Und in der neugeschaffenen Weltmeisterschaft waren deutsche Namen ganz oben in den Siegerlisten notiert. Für das Rookie-Team war das so etwa wie ein Oskar beim Filmdebüt. Dann das Jahr 2000: Das Team hieß nun offiziell „Alpha-Technik-Yamaha“. „Alpha Technik“ sind in Personalunion die beiden „Sepps“, Josef Mayer und Josef Hofmann, zwei ur-bajuwarische Rennsport-Freaks mit dem gleichen Hang zum Perfektionismus wie das gesamte Team. Die Mixtur von Yamaha Deutschland in Löhne und direktem Draht nach Bayern respektive Schwarzwald und Franken funktionierte auf Anhieb.Der Verlauf der Saison - hier alles zu rekapitulieren, würde hier den den Zeitrahmen sprengen - gipfelte in der Erkenntnis, dass das Alpha-Technik-Yamaha-Team um Udo Mark die Konkurrenz so verblüfft haben mit ihrer professionellen Vorbereitung, dass bereits beim vorletzten Rennen in Oschersleben einer von beiden hätte Weltmeister werden können.Ich selbst hatte in Hockenheim Gelegenheit, das Team während des Trainings in der Box aus nächster Nähe zu beobachten und war von der professionellen, methodisch perfekten Arbeitsweise sehr beeindruckt. Doch trotz bestem Dream-Team-Work bleibt Rennsport in letzter Konsequenz eine Individualsportart. Das bedeutet: Es kann nur einen Meister geben. Als Christian Kellner beim vorletzten Rennen in Oschersleben Jörg Teuchert in der letzten Runde, vorletzte Kurve touchierte und beide ins Kiesbett trudelten, herrschte in der Box Weltuntergangstimmung. Jörg Teuchert schluchzte, Christian Kellner heulte und Trainer Udo Mark stieg, Sonnenbrille auf, Mütze tief in der Stirn, wortlos auf seinen Roller und fuhr davon. Zwei Rennen zuvor, bezeichnenderweise ebenfalls in Brands Hatch, hatte sich Teuchert im Training das Schlüsselbein gebrochen - die Spurstange, Sie erinnern Sich? In Rekordzeit wieder fit gemacht, folgte ein tapfer erkämpfter dritter Platz in Assen, dem eine äußerst kontrovers diskutierte Disqualifikation folgte. Doch zurück nach Oschersleben. Der Stachel saß tief, und der Frust war grenzenlos. Selbsternannte Insider sprachen von Rissen im Teamgefüge, die man nie wieder kitten könne. Die Weltmeisterschaft schien dahin, genauso die Freundschaft Teuchert-Kellner. „Aber,“ so wurde Jörg Teuchert getröstet,“ solange es nicht mehr als 25 Punkte auf den Ersten sind, besteht noch ein Funke Hoffnung beim Finale.“ Sie erinnern sich? Der Frosch und der Storch: Gib niemals auf! Die über Jahre gewachsene Freundschaft Teuchert-Kellner fand ihren frischen Kitt wieder bei der Intermot-Messe. Eine längere „wir-wissen-nicht-wie-Unterhaltung“ an einem zünftigen Münchner Biertisch endete mit einem Schulterschluss der edlen Art. Christian Kellner motivierte seinen Freund: „Beim Finale fahre ich für dich!“ Dann ging Teuchert in die Berge. Eine Woche lang, ganz allein, mit dem Mountain-Bike. Immer und immer wieder hat er die drei entscheidenden Sekunden von Oschersleben vor- und zurückgespult und analysiert und sich dann vorgenommen: Jetzt erst recht! Motiviert bis in die Haarspitzen gingen die beiden beim Finale in England ins Rennen, getreu einem japanischen Sprichwort: „Wenn du es eilig hast, mach´ einen Umweg!“. Kellner hätte in dem turbulenten Rennverlauf sogar selber noch unerwartet den Titel gewinnen können, winkte aber Jörg Teuchert vorbei und verhalf ihm so zum Titel. Im Ziel umarmten sich die beiden und Kellner, nächstes Jahr mit der Nummer vier wie dieses Jahr sein Teamkollege unterwegs; flüsterte Teuchert augenzwinkernd zu: „Merkst du etwas? Die 4 gewinnt!“ Teuchert, wie immer redegewandt, konterte: „Denk´ daran, die 1 spielt auch noch mit! Aber wenn du im entscheidenden Moment meine Hilfe brauchst, kannst du dich auf mich verlassen!“ Dream-Team! Der Gewinn der Supersport Weltmeisterschaft 2000 ist für Jörg Teuchert der bisher größte sportliche Erfolg seiner Laufbahn – und er ist der erste WM-Titel für Yamaha seit Tetsuya Harada bei den 250ern 1993 und darüber hinaus der erste Viertakt-WM-Titel überhaupt.  Vielleicht sind diese Superlative die Gründe, weshalb Jörg Teuchert auf dem Siegerpodest die Sprache verlor. Wie sogenannte gut-unterrichtete Kreise behaupten, fehlten ihm dort zum ersten Mal im Leben die Worte. Denn sonst, berichten zum Beispiel die Eurosport-Sprecher, habe Jörg Teuchert die seltene Begabung als begnadeter Co-Kommentator. Originalzitat: „Du stellst ihm eine Frage, dann kannst du in Ruhe ein Bier trinken gehen, und wenn du zurückkommst, schaltest du ihn einfach ab.“ Bevor das Abschalten jetzt gleich mit desem Mikrofon passiert, möchte ich mich bei unserem Gastgeber, Herrn Friedrich Dauphin, bedanken, der für diese WM-Feier seine Schatzkammer zur Verfügung stellt. Herzlichen Dank, Herr Dauphin, im Namen aller Anwesenden.  Zwei Punkte möchte ich noch erwähnen:  Zum einen ist der WM-Titel für Jörg Teuchert sicher das Highlight seiner Laufbahn, aber der Wert eines deutschen Weltmeisters ist für die gesamte Branche – und da schließe ich alle ein – von unschätzbarem Wert. Zum zweiten: Ein Blick in die sportliche Historie der Familie Teuchert ergibt: 1980, fast auf den Tag genau, als Junior Jörg seinen WM-Titel gewann, holte Vater Arnulf seinen ersten WM-Titel mit dem deutschen Six-Days-Team. So besehen haben wir heute Abend noch einen Grund zum Feiern.  Moment! Einen habe ich noch: Wir sprechen immer vom „Rennsport zum Anfassen“. Die Autogrammstunde funktioniert heute ausnahmsweise anders herum. Heute sind Ihre Autogramme gefragt. Ich möchte alle Gäste bitten, als Erinnerung an diesen schönen Abend auf der Autogrammwand zu unterschreiben, die - da bin ich sicher - im Hause Teuchert einen Ehrenplatz erhalten wird.Mein Glückwunsch gilt unserem Weltmeister Jörg Teuchert, dem ganzen Team Alpha-Technik-Yamaha, Yamaha Motor Deutschland und allen Partnern. 

Vielen Dank!

 

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